06
Februar
2015

(Wild)Bienen und Obstbau

Die Bestäubungsleistung der Honigbienen
spielt im Erwerbsobstbau
eine große Rolle.

 

Schon lange kooperieren in der Oststeiermark Imker mit Erwerbsobstbauern, indem sie zur Blütezeit ihre Völker in die Obstanlagen verbringen. Für so manchen Imker hat sich daraus ein lohnender Zusatzerwerb entwickelt. Dass diese Art der Wanderung einen zusätzlichen Stress für unsere ohnehin schon von vielen Umwelteinflüssen geplagten Bienen bedeutet, ist eigentlich klar. In den Anlagen gibt es weitere negative Einflüsse wie Hagelnetze, Maschinenlärm und im schlimmsten Fall sogar für Bienen schädliche Pflanzenschutzmittel.

Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es nahezu auf jedem oststeirischen Bauernhof eigene Bienenvölker. Noch vor hundert Jahren war Zucker bei uns ein unerschwingliches Luxusprodukt. Honig war für große Teile der Bevölkerung die einzige Möglichkeit, die Lust nach Süßem zu befriedigen. In unserer schnelllebigen Zeit verbunden mit dem ständigen Streben nach Gewinnmaximierung hat sich die Vielfalt der Tierhaltung auf den Bauernhöfen drastisch reduziert.

Im Jahr 2008 haben wir unseren Obstbaubetrieb (3 ha Zwetschken und 1 ha Streuobst/ Schalenfrüchte) auf biologische Wirtschaftweise umgestellt. Ein Jahr später kamen die ersten drei Bienenvölker auf den Hof. Mittlerweile entstand daraus eine kleine Bio-Imkerei mit rund 20 Völkern.

Die ursprüngliche Idee der Bestäubungshilfe für unsere Zwetschken hat nur zum Teil funktioniert:

Zum Einen lieben Bienen die Zwetschkenblüten nicht besonders, zum Anderen sind oft die Temperaturen zur Blütezeit zu niedrig und es erfolgt kein Bienenflug – oder es gibt noch gar keine Flugbienen. Daher beschäftigen wir uns seit zwei Jahren auch mit Wildbienen und deren Vermehrung.

In Österreich gibt es rund 650 verschiedene Bienenarten. Zwei davon, die „Rote Mauerbiene“ (Osmia bicornis) und die „Gehörnte Mauerbiene“ (Osmia Cornuta) sind besonders zur Bestäubung von Obstblüten geeignet.

Sie sind wegen ihrer starken Behaarung und ihrer Temperatur Unempfindlichkeit hervorragende und den Bienen weit überlegene Blüten Bestäuberinnen.

Die gehörnte Mauerbiene fliegt bereits im März und eignet sich daher besonders für die Bestäubung früh blühender Obstbäume. Die rote Mauerbiene fliegt von Anfang April bis Mitte Mai und bestäubt bevorzugt Rosengewächse.

Bei einer Lebensdauer bis zu sechs Wochen und einem Flugradius von ca. 150 m beträgt die Bestäubungsleistung einer Biene etwa 25.000 Blüten. Zusätzliche Trachtpflanzen sollten zur Flugzeit vorhanden sein. Frühlingsblüher wie z.B. Löwenzahn, Traubenhyazinthe, Krokus,Taubnessel und Weide.
 

Beide Arten sind in der Oststeiermark heimisch, aufgrund von Futtermangel, zu wenig Nistmöglichkeiten und einer starken Parasitierung entwickeln sich allerdings keine größeren Bestände.

Ändert man diese negativen Faktoren, kann man die Bestände in kurzer Zeit vervielfachen. So haben wir im letzten Herbst schon rund 1000 Kokons „geerntet“.

Geerntet (aus den Brutröhren entnommen) müssen sie deshalb werden, da sonst ein Großteil der Kokons von Parasiten vernichtet wird.

Die gesammelten Kokons werden gewaschen und über den Winter trocken und kühl gelagert.

Im Frühjahr kommen sie zurück in ihre Hotels um wieder rechtzeitig zur Obstblüte ihre Arbeit aufzunehmen.

Weitere Infos unter www.biohelp.at

  • Tags: Bienen, Wildbienen

Categories: Informatives

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